Übersetzung oder Interpretation? Zur Spannung zwischen Ausgangstext...

und deutschen Bibelausgaben

Prof. Dr. Frank Crüsemann, Mitherausgeber

Beitrag zum Symposium „sola scriptura“. Zur Aktualität des protestantischen Erbes. Kassel 20. April 2007

Nach einem Eingangsteil über den Zusammenhang von Auslegung und Übersetzung geht Frank Crüsemann auf Kritik an der Bibel in gerechter Sprache ein: …An der Oberfläche der Kontroverse geht es um Übersetzungen, richtige und falsche, bessere und schlechte. Und in der Folge dann um die bekannten Vorwürfe der angeblichen Verfälschung der Texte bis zur Infragestellung des christlichen Bekenntnisses. Doch wenn man dann diese Übersetzungsvorwürfe näher betrachtet, geht es in der Regel um etwas anderes: um unterschiedliche Theologien und abweichende Interpretation, um die Geltung von Traditionen, darum, was das konkret für den Umgang mit der Bibel selbst heißt: „allein die Schrift“…

Erläutert werden die Übersetzungen Gen 2,21f. (Seite/Rippe); Ps 90,12 (bedenken, dass wir sterben müssen/unsere Tage zählen); 1 Thess 4,4 (Gefäß/Frau) und hyios tou anthropou (Mensch bzw. der kommende Mensch bzw. die himmlische Menschengestalt/Menschensohn). Frank Crüsemann erläutert, dass die geschlechtergerechte Sprache in der Bibel in gerechter Sprache nichts Neues ist, sondern konsequent fortführt, was andere Übersetzungen z.B. in den Seligpreisungen und Rechtssätzen ebenso praktizieren.