Mt 28,19: »Zu Jüngern machen« oder »mitlernen lassen«?

»Macht euch auf den Weg und lasst alle Völker mitlernen. Taucht sie ein in den Namen Gottes.« So übersetzt die Bibel in gerechter Sprache den so genannten »Missionsbefehl« in Mt 2819. In der Zürcher Bibel heißt es: »Darum gehet hin und machet alle Völker zu Jüngern und taufet sie auf den Namen des Vaters.« Die Übersetzerin des Matthäusevangeli­ums, Luise Schottroff, nimmt das Griechische beim Wort. Dort steht ein Imperativ des Verbs matheteuo (»lernen«), der z. B. von der Zürcher Bi­bel und von Luther mit »macht zu Jüngern« übersetzt wurde (29). Die Nachfolgegemeinschaft Jesu war eine Bewegung, die gemeinsam mit Jesus die Tora gelebt und von ihr gelernt hat und dieses nach Jesu Tod fortsetzte. In dieses Leben und Lernen sollen – so Mt 28,19 – Menschen aus den Völkern einbezogen werden. Es geht um die Hoffnung auf Frieden und Leben in Gerechtigkeit, wie sie schon Mi 4,3–4 ersehnt (70). Wir heutigen Menschen, sofern wir nicht jüdisch sind, sind auch Men­schen aus den Völkern. Durch Christus werden wir hineingerufen in eine Lerngemeinschaft mit dem jüdischen Volk. Im zweiten Teil des Verses Mt 28,19 werden die Jüngerinnen und Jün­ger Jesu aufgefordert: »Taucht sie ein in den Namen Gottes.« Im Grie­chischen steht das Verb baptizo, das meist mit »taufen« übersetzt wird. Die Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache legt die Grund­bedeutung »eintauchen«/»untertauchen« frei. Das Wort wurde zur Zeit Jesu sowohl für das Baden als Körperpflege als auch für rituelle Waschungen verwendet (Sir 34,30; Mk 7,4; Lk 11,38). Die Menschen »ein­zutauchen in den Namen Gottes« bedeutet, sie vollständig in den Fürsorgebereich Gottes hineinzunehmen.

ZUM WEITERLESEN:
• Frettlöh, Eingetaucht in den Namen des dreieinigen Gottes
Schottroff, Statement Lübeck