Gen 29,17: Sind Leas Augen »ohne Glanz« oder »zärtlich«?

Lea, erste Frau Jakobs, wird in Gen 29 und 30 als ungeliebt beschrie­ben. Jakob zieht ihr ihre jüngere Schwester Rahel vor, die er von Anfang an heiraten wollte und die seine zweite Frau wird. Während ihrer Ehe kämpft Lea fortwährend gegen die Konkurrenz ihrer Schwester. Die hebräischen Texte beschreiben diese Auseinander­setzungen, ohne Position zu beziehen. Durch eine bestimmte Über­setzung wird Lea jedoch abgewertet. Von Leas Augen wird im Heb­räischen gesagt, sie seien rach. Es wird oft wie dergegeben mit »matt« oder »ohne Glanz« oder in Luther 1545 und 1912 gar mit: »Lea hatte ein blödes Gesicht, Rahel war hübsch und schön«. Laut Wörterbuch bedeutet rach »zart«/»zärtlich«/»sanft«. Kleine Kinder können rach sein (Gen 33,13). In Spr 15,1 und Hiob 40,27 geht es um »sanfte (rach) Worte«. Lediglich an zwei Stellen – so das Wörterbuch – sei mit »schwach« zu übersetzen: in 2 Sam 3,39 , wo David von sich sagt, er sei zwar zum König gesalbt, aber er sei rach, und in Gen 29,17. Bei Letz­terem solle sogar mit »schwache, blöde Augen« übersetzt werden. Die Entscheidung des Wörterbuchs überzeugt vielleicht bei David, nicht aber bei Lea. Weder »ohne Glanz« noch »matt« oder gar »blöde« gehören zur Bedeutungsbreite von rach. In der Bibel in gerechter Sprache steht daher: »Die Augen Leas waren zärtlich, Rahel aber hatte eine schöne Figur und sah gut aus.«