Gen 21,9: Ismael »juchzte herum« oder »trieb Mutwillen mit Isaak«?

Die Erzählungen über die Sklavin Hagar und ihren Sohn Ismael in Gen 18 und 21 sind durchzogen von einem Wortspiel mit zachak: »(fröhlich) lachen« ( 13). Die Bibel in gerechter Sprache versucht, es mit dem ähnlich klingenden Wort »juchzen« nachzubilden. Sara hatte gelacht bzw. gejuchzt, als sie hörte, dass sie in hohem Alter schwanger werden würde, und war von den Boten Gottes auf ihr Lachen bzw. Juchzen (zachak) angesprochen worden (Gen 18,13+15). Im Namen ihres Sohnes Jizchak (»Isaak«) erklingt das Verb zachak. Sara verkündet nach der Geburt voller Glück: »Ein Juchzen hat Gott mir bereitet. Alle, die es hören, werden über mich juchzen« (21,6). Beim Fest an dem Tag, als Isaak abgestillt wird, sieht Sara, »wie der Sohn Hagars, der Ägypterin, den diese dem Abraham geboren hatte, herumjuchzte« (21,9). Traditionelle Bibelübersetzungen geben zachak immer mit »lachen« wieder. Nur an genau dieser Stelle, in Gen 21,9 , entscheiden sie sich für eine andere Übersetzung. Luther (1984) wählt: »wie er Mutwillen trieb«. In Buber/Rosenzweig steht, dass Sara ihn »spottlachen« sah. Die Hoffnung für alle übersetzt: »sich über Isaak lustig machte«, obwohl der Name Isaak im Hebräischen nicht steht, wohl aber in den antiken griechischen und lateinischen Übersetzungen. Rückendeckung erhal­ten diese negativ wertenden Übersetzungen durch Paulus, der in Gal 4,29 den Text Gen 21,9 interpretiert und schreibt, Ismael habe Isaak »verfolgt«. Das renommierte Hebräisch-Wörterbuch von Gesenius no­tiert entsprechend zu zachak, in Gen 21,9 sei es mit: »in üblem Sinne« zu übersetzen, sonst mit »lachen«, »scherzen«, »liebkosen«. Viele Auslegungen in christlicher und rabbinischer Literatur stützen sich auf diese negative Interpretation Ismaels in Gen 21,9. Sie mutmaßen, der Sohn Hagars müsse Schlimmes mit Isaak gemacht haben. Ismael habe Isaak zum Götzendienst verführen wollen, oder er habe Isaak verletzen oder gar töten wollen. Selbst die Deutung, Ismael habe Isaak sexuell belästigt, wurde aufgrund dieser Stelle vertreten. Manche gehen so weit, es anti-islamisch zu deuten. Denn die Geschichte von Hagar und Ismael ist ein wichtiger Teil der islamischen Tradition. Hagar, Abraham und Ismael gelten als Erzeltern vieler nordarabischer Stämme, aus de­nen später der Prophet Muhammad hervorgeht. Die Bibel in gerechter Sprache stellt sich dieser Herabsetzung Ismaels in den Weg, indem sie nicht wertet, sondern das Wortspiel des Hebräischen nachbildet.