Eine Geschichte über die Liebe. Bibelarbeit zu Lk 10, 25-37

Luise Schottroff, Claudia Janssen, Mitherausgeberinnen der Bibel in gerechter Sprache

Eine Geschichte über die Liebe. Bibelarbeit zu Lk 10, 25-37

… Ich denke, dass es weiterführend sein könnte, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter als Männergeschichte zu lesen.

In dem Gleichnis selbst geht es um unerwartete Reaktionen, um Durchbrechungen von Rollenklischees. Der Samaritaner ist kein Gewalttäter, der Wirt nicht skrupellos. Die religiösen Autoritäten Priester und Levit können dem an sie gerichteten Anspruch hingegen nicht genügen. Zugleich bietet es neue Rollenvorbilder: · der Samaritaner, der sich anrühren lässt, Gefühle zeigt und einen anderen Menschen pflegt und sich um ihn kümmert · der Gastwirt, der nicht nur auf seinen ökonomischen Vorteil schaut · der Samaritaner, der auf einen anderen Mann vertraut

Außerdem zeigt das Gleichnis einen Mann, der Opfer von Männergewalt geworden ist und ermöglicht damit anderen Männern, sich selbst auch in einer bedürftigen Position zu sehen.

Somit wäre die Antwort Jesu an den Toragelehrten doch nicht ganz so einfach, wie sie beim ersten Hören klingt: Geh und handle du entsprechend!