Apg 10,28: Kontaktverbot mit nichtjüdischen Menschen?

Apg 10 berichtet von der Rede des Petrus im Haus des römischen Offiziers Cornelius. Apg 10,28 klingt bei Luther (1984) so: »Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen.« Ähnlich lauten andere Über­setzungen. Apg 10,28 dient oft als Beleg für die Annahme, jüdischen Menschen sei generell jeder Kontakt mit nichtjüdischen Leuten ver­boten. Das ist falsch. Das Verb kollao in Apg 10,28 kommt von kolla (»Leim«). Es bedeutet »fest zusammenkleben« und im übertragenen Sinn: »sich eng anschließen«. Daher übersetzt die Bibel in gerechter Sprache: »Ihr wisst, wie wenig es für einen jüdischen Menschen er­laubt ist, mit einem nichtjüdischen engen Kontakt zu pflegen.« Nicht der Kontakt als solcher ist untersagt, sondern allzu enge Beziehun­gen. Sie könnten dazu (ver-)führen, Vorschriften der Tora zu vernach­lässigen und ungerechte Verhaltensweisen der nichtjüdischen Ge­sellschaft zu übernehmen, wie sie in Röm 1,28–32 aufgeführt werden. Es geht auch nicht nur um jüdische Männer, wie die Übersetzung von Luther (1984) suggeriert. Zwar steht im Griechischen aner (Grundbedeutung: »Mann«). Weil es hier Geschlechter umfassend gemeint ist, spricht die Bibel in gerechter Sprache von einem »jüdi­schen Menschen«.

ZUM WEITERLESEN:
Wengst, Übersetzen in Verantwortung vor dem Judentum