2 Kön 5,2: »Junges Mädchen« oder »kleines Mädchen«?

Hier geht es um die Sklavin des aramäischen Feldherrn Naaman, die ein kleines, etwa sechsjähriges Mädchen aus Israel ist. Sie bringt den »großen« (5,1) Heerführer Naaman dazu, der Gottheit Israels zu vertrauen. Er leidet unter einer Hauterkrankung. Am Ende ist Naa­mans Haut wie die eines »kleinen« Jungen (5,14). In fast allen christ­lichen Übersetzungen steht »junges Mädchen«. Es macht diese Wortspiele des Hebräischen unhörbar. Zudem lässt »junges Mäd­chen« eher an ein Mädchen im Pubertätsalter denken. Das Hebrä­ische spricht aber von einem kleinen Mädchen, das fern von seiner Familie in einem fremden Land als Kindersklavin lebt – ein grausa­mes Schicksal. In jüdischen Übersetzungen wie denen von Buber/ Rosenzweig und Zunz steht genauso wie in der Bibel in gerechter Sprache der Ausdruck: »kleines Mädchen«. Es bildet nicht nur das Wortspiel des Hebräischen ab. Es öffnet auch die Augen dafür, wel­che Folgen Krieg und Gewalt für ganz kleine Kinder haben kön­nen.

ZUM WEITERLESEN:
• Metzler, Kleines Mädchen Hoffnung