z.B.: Gen 18,16-33 oder Ps 84

Das Buch der Weisheit

Kapitel 2

1Sie sagen untereinander in ihrem falschen Denken: / Kurz und voll Kummer ist unser Leben. / Es gibt kein Heilmittel mehr, wenn es mit einem Menschen zu Ende geht, / und es ist keine Person bekannt, die je aus dem Reich der Toten wieder befreit hätte. / 2Durch Zufall sind wir entstanden / und nach diesem Leben wird es sein, als hätten wir nie existiert. / Denn nur ein Dunst ist der Atem in unserer Nase / und das °Denken ist nur ein Aufflackern bei der Bewegung unseres °Herzens; / 3erlischt es, zerfällt der °Leib zu Asche / und der °Geist löst sich auf wie dünne Luft. / 4Unser Name wird mit der Zeit vergessen, / und niemand wird sich mehr an unsere Taten erinnern. / Unser Leben geht vorüber, spurlos wie eine Wolke, / es löst sich auf wie Nebel, der von den Strahlen der Sonne vertrieben und von ihrer Wärme verflüchtigt wird. / 5Ein vorbeihuschender Schatten ist unsere Lebenszeit, / und unser Ende ist unwiderruflich; / denn das ist besiegelt und niemand kehrt zurück.
6Kommt also! Lasst uns genießen, was es Gutes gibt! / Lasst uns die Schöpfung in vollen Zügen auskosten, wie in der Jugendzeit: / 7Kostbaren Wein und Salböl in Hülle und Fülle – / und keine Frühlingsblume soll uns entgehen! / 8Bekränzen wir uns mit Rosen, ehe sie verblühen! / 9Keine Wiese soll von unserem Treiben unbehelligt bleiben, / überall wollen wir Zeichen der Fröhlichkeit hinterlassen; / denn das ist unser Anteil und das unser Los.
10Lasst uns arme °Aufrechte unterdrücken, / Witwen nicht schonen und die grauen Haare alter Männer nicht scheuen! / 11Unsere Kraft °bestimme, was Gerechtigkeit sei! / Denn alles Schwache erweist sich als unbrauchbar.
12Lasst uns den Aufrechten auflauern, denn sie sind für uns unnütz / und stehen unserem Tun im Weg. / Sie halten uns °Verfehlungen gegen das °Gesetz vor / und beschuldigen uns der Vergehen gegen kultiviertes Verhalten. / 13Sie beanspruchen, °Gotteserkenntnis zu besitzen, / und nennen sich Dienstleute(587) Gottes. / 14Sie sind ein lebender Vorwurf gegen alles, was wir denken, / schon ihr Anblick ist schwer erträglich für uns. / 15Denn ihr Leben gleicht nicht dem aller anderen, / ganz anders sind ihre Wege. / 16Für falsche Münze halten sie uns / und meiden unsere Wege wie etwas °Schmutziges. / Sie preisen das Ende von Aufrechten glücklich / und prahlen, die °Gottheit sei ihnen °Vater und Mutter. / 17Wir wollen sehen, ob ihre Worte wahr sind, / und erproben, wie es mit ihnen ausgeht. / 18Wenn nämlich die Aufrechten wirklich °Kinder der Gottheit sind, / wird sie sich ihrer annehmen und sie aus der Hand der Feindseligen retten. / 19Wir wollen sie auf die Probe stellen mit Erniedrigung und Folter, / um ihre Friedfertigkeit kennen zu lernen / und ihr Durchhaltevermögen zu prüfen. / 20Zu einem schändlichen Tod wollen wir sie verurteilen – / nach ihren Worten müsste ihnen ja helfendes Eingreifen zuteil werden.
21Dies denken die Gottlosen und irren sich, / ihre Bosheit macht sie blind. / 22Sie kennen die Geheimnisse der Gottheit nicht, / erhoffen keinen Lohn für heiliges Leben / und meinen, es gebe keine Auszeichnung für integre °Menschen. / 23Denn die °Gottheit hat die Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen / und sie als ihr eigenes Bild gemacht. / 24Aber durch den Neid des °Teufels kam der Tod in die Welt, / ihn erfahren alle, die zu ihm gehören.