z.B.: Gen 18,16-33 oder Ps 84

Das Buch Tobit

Kapitel 3

1Da wurde mir sehr traurig zu °Mute. Ich weinte, seufzte und klagte und begann zu beten:
2°»Gerecht»Gerecht bist du, Ewige, und alle deine Werke sind gerecht. Alle deine Wege sind an Barmherzigkeit und Wahrheit ausgerichtet. Du sprichst Recht über die °Welt. 3Und nun, Ewige, denke an mich, schau auf mich und strafe mich nicht wegen meiner °Fehler und meiner unwissentlichen Vergehen, auch nicht wegen der Fehler meiner °Vorfahren. Vor dir sind sie schuldig geworden. 4Wir haben nicht auf deine °Gebote gehört und darum hast du uns der Plünderung, der Gefangenschaft und dem Tod ausgesetzt. Tadel, Gerede und Spott müssen wir bei all den Völkern erdulden, unter die du uns zerstreut hast. 5Nun treffen deine vielen Strafen ein, die du mir wegen meiner Fehler und der Fehler meiner Vorfahren auferlegt hast. Denn wir halten deine Gebote nicht und gehen nicht den Weg der Wahrheit vor dir.
6Befiehl nun, wenn es dir gefällt, dass mein °Geist von mir fortgenommen wird, dass ich von der Erde erlöst und wieder zu Staub werde. Denn es ist für mich besser zu sterben als zu leben, weil ich unverdiente Vorwürfe anhören muss und viel Leid erfahre. Befiehl du, Ewige, dass ich von dieser Not erlöst werde, gib mich frei für die °letzte Ruhestätte und wende dein Angesicht, Ewige, nicht von mir. Es ist für mich besser zu sterben und keine Vorwürfe zu hören, als viel Not in meinem Leben zu sehen.«
7Am selben Tag hörte auch Sara, die Tochter Raguëls, aus Ekbatana in Medien solche Vorwürfe von einer der Mägde ihres °Vaters. 8Sara war nämlich mit sieben Männern verheiratet worden, aber der böse °Dämon Aschmodai hatte die Männer getötet, bevor sie mit ihr zusammen sein konnten, wie es in der Hochzeitsnacht üblich ist. Die Magd aber warf ihr vor: »Du selbst bringst deine Männer um! Hör zu! Du warst bereits mit sieben Männern verheiratet und bist nach keinem von ihnen benannt. 9Was bestrafst du uns dafür, dass sie gestorben sind? Geh doch mit ihnen, dass wir nicht °irgendwann auch noch mit einem Sohn oder einer Tochter von dir zu tun haben!«
10An jenem Tag wurde Sara sehr traurig °zu Mute und sie weinte, stieg hinauf ins Obergeschoss des Hauses ihres Vaters und wollte sich erhängen. Aber dann dachte sie bei sich: »Sie sollen meinem Vater niemals vorwerfen: ›Eine einzige geliebte Tochter hast du gehabt und die hat sich im Unglück erhängt!‹ So triebe ich meinen Vater im Alter aus Kummer in die Unterwelt. Ich erhänge mich lieber nicht, sondern ich will die Ewige bitten, dass ich sterbe, so dass ich mir nie mehr in meinem Leben Vorwürfe anhören muss.« 11In diesem Moment breitete sie die Hände zum Fenster aus und betete:
»Gesegnet bist du, barmherziger °Gott, und gesegnet ist dein Name für °alle Zeiten und alle deine Werke sollen dich immerfort loben! 12Nun richte ich mein Gesicht und meine Augen auf dich. 13Befiehl, dass ich von der Erde erlöst werde und mir nie mehr Vorwürfe anhören muss! 14Du weißt, Herrscher, dass ich keine °Verunreinigung durch einen Mann erfahren habe 15und dass ich meinem Namen und dem Namen meines Vaters hier in der Fremde keine Schande gemacht habe. Ich bin die einzige Tochter meines Vaters und er hat kein anderes Kind, das ihn beerben könnte. Auch hat er keinen Bruder oder nahen Verwandten, dem ich mich als Frau erhalten müsste. Sieben starben mir bereits. Wofür lebe ich noch? Und wenn es dir nicht gefällt, mich sterben zu lassen, Ewige, hilf mir doch in meiner Ausweglosigkeit!«
16In diesem Moment wurde das Gebet von beiden vor dem °Glanz Gottes erhört 17und Rafaël wurde gesandt, um sie aus ihrer Not zu befreien: Tobit sollte er die weißen Flecken von seinen Augen lösen, damit er mit ihnen das Licht Gottes wieder sähe und Raguëls Tochter Sara sollte er Tobias, Tobits Sohn, zur Frau geben und sie von dem bösen °Dämon Aschmodai befreien. Denn Tobias hatte mehr als alle anderen, die sie zu sich nehmen wollten, ein Recht darauf, sie zu erben. Im gleichen Moment kehrte Tobit aus dem Hof in sein Haus zurück und Raguëls Tochter Sara stieg vom Obergeschoss hinab.