z.B.: Gen 18,16-33 oder Ps 84

Das Buch Judit

Kapitel 8

10Und sie sandte die Sklavin ihres Vertrauens, die ihren ganzen Besitz verwaltete, und ließ Kabri und Karmi, die Ältesten ihrer Stadt, rufen. 11Sie kamen zu ihr und sie sagte zu ihnen:
»Hört mich an, Oberhäupter der Bevölkerung Betulias. Eure Rede, die ihr am heutigen Tag vor dem Volk gesprochen habt, war nicht recht. Ihr habt diesen Eid, den ihr abgelegt habt, zwischen die Gottheit und euch gestellt. Ihr habt erklärt, die Stadt unseren Feinden auszuliefern, wenn sich der °Herr euch in dieser Zeit nicht helfend zuwendet. 12Wer seid ihr denn, dass ihr heute die °Gottheit auf die Probe und euch inmitten der °Menschen über die Gottheit stellt? 13Ihr wollt den Herrn, den Allmächtigen, prüfen, und doch werdet ihr bis in °Ewigkeit nichts erkennen. 14Denn ihr könnt nicht einmal beim Menschen die Tiefe des °Herzens ergründen und die Überlegungen des Verstandes nicht erfassen! Wie könntet ihr da die Gottheit erforschen, die dies alles geschaffen hat? Wie könntet ihr ihre Gedanken erkennen? Und wie ihre Pläne begreifen? Nein, meine Brüder! Reizt den Herrn, unsere Gottheit, nicht zum Zorn! 15Denn wenn sie uns in den fünf Tagen nicht helfen will, hat sie die Freiheit, uns, solange sie will, zu schützen oder uns vor unseren Feinden zu vernichten. 16Ihr aber: Verpfändet nicht die Entscheidungen des Herrn, unserer °Gottheit, denn die Gottheit ist kein Mensch, dem man drohen, und kein °Menschenkind, das man beeinflussen kann.
17Daher lasst uns sie – °Rettung erwarten wir nur von ihr – um Hilfe für uns anrufen! Sie wird auf unsere Stimme hören, wenn es ihr gefällt. 18Denn es gab in unserer Generation – und so ist es bis heute – keinen Stamm, keine Sippe, keine Bevölkerungsschicht und keine Stadt unter uns, die sich vor handgefertigten Gottheiten niedergeworfen hätten, wie es in den früheren Tagen geschehen ist. 19Deswegen wurden unsere Vorfahren dem Schwert und der Plünderung ausgeliefert und erfuhren vor unseren Feinden eine große Katastrophe.

20Wir aber erkennen keine andere °Gottheit an als sie allein.

Deshalb hoffen wir, dass sie uns und unser Volk nicht übersehen wird. 21Denn wenn wir eingenommen werden, wird auch ganz Judäa eingenommen und unser °Heiligtum geplündert. Und sie wird uns für dessen Entweihung zur Verantwortung ziehen. 22Die Ermordung unserer Schwestern und Brüder, die Deportation aus dem Land und die Verwüstung unseres Erbbesitzes wird sie auf uns zurückfallen lassen unter den °Völkern, unter die wir °versklavt werden; und wir werden zum Anstoß und zuschanden bei denen werden, die uns dann besitzen werden. 23Unsere Sklaverei wird dann nicht zu °Erfreulichem gewandelt werden, sondern der Herr, unsere Gottheit, wird sie zur Entehrung machen. 24Nun, Brüder, lasst uns unseren Schwestern und Brüdern zeigen, dass ihr °Leben von uns abhängt und dass das Heiligtum, der Tempel und der Altar fest auf uns gegründet sind. 25Zudem lasst uns dem Herrn, unserer Gottheit, danken, die uns wie schon unsere Vorfahren auf die Probe stellt. 26Erinnert euch an alles, was sie mit Abraham getan hat, wie sie Isaak auf die Probe stellte, und was Jakob im syrischen Mesopotamien zustieß, als er die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter, weidete. 27Denn wie sie jene im Feuer geläutert hat, um ihr Herz zu prüfen, so zieht sie uns nicht zur Rechenschaft, sondern der Herr erzieht die, die ihm nahe sind, um sie zu belehren.«
28Da sagte Usija zu ihr: »Alles, was du gesagt hast, hast du mit gutem Herzen gesprochen, und niemand kann deinen Worten widerstehen. 29Nicht erst seit heute ist deine Weisheit offenkundig, sondern seit Beginn deines Lebens erkennt das ganze Volk deine Klugheit an, weil dein °Herz gut beschaffen ist. 30Aber das Volk leidet furchtbaren Durst und sie haben uns gezwungen, so zu handeln, wie wir zu ihnen gesprochen haben, und einen Eid auf uns zu laden, den wir nicht brechen können. 31So bete jetzt für uns, denn du bist eine fromme Frau, dann wird der Herr uns Regen schicken, um unsere Zisternen zu füllen, dann werden wir nicht sterben.«
32Da sagte Judit zu ihnen: »Hört mich an! Ich werde eine Tat vollbringen, die bis in die fernsten Generationen den Nachkommen unseres Volkes bekannt sein wird. 33Ihr werdet in dieser Nacht am Tor stehen. Ich werde mit der Sklavin meines Vertrauens ausziehen und innerhalb der Tage, nach denen ihr die Stadt unseren Feinden auszuliefern gedenkt, wird der Herr sich durch meine Hand Israel rettend zuwenden. 34Ihr aber – versucht nicht, mein Vorhaben zu ergründen, denn ich werde euch nichts sagen, bis abgeschlossen ist, was ich tun werde.«