z.B.: Gen 18,16-33 oder Ps 84

Das Buch Judit

Kapitel 14

1Da sprach Judit zu ihnen: »Hört mich an, Brüder! Nehmt diesen Kopf und hängt ihn an der Zinne eurer Stadtmauer auf. 2Wenn die Morgendämmerung anbricht und die Sonne über der Erde aufgeht, greift alle zu euren Waffen und marschiert mit allen kräftigen Männern vor die Stadt. Stellt einen Anführer an ihre Spitze, als ob ihr in die Ebene gegen die Vorposten der Assyrer hinabziehen würdet – aber zieht nicht hinab! 3Diese werden zu ihren Waffen greifen, in ihr Lager laufen und die Befehlshaber der Streitmacht Assurs wecken. Sie werden beim Zelt des Holofernes zusammenkommen und ihn nicht finden. °Furcht wird sie daraufhin befallen, und sie werden vor euch fliehen. 4Dann aber werdet ihr und die Bevölkerung des gesamten Gebiets Israels ihnen nachsetzen und sie auf ihren Wegen niederstrecken. 5Doch bevor ihr dies alles tut, ruft mir den Ammoniter Achior, damit er den sieht und identifiziert, der das Haus Israel missachtet und ihn zu uns gesandt hat wie in den Tod.« 6Da riefen sie Achior aus dem Haus Usijas herbei. Als er kam und den Kopf des Holofernes in der Hand eines Mannes in der °Volksversammlung sah, fiel er aufs Gesicht und wurde ohnmächtig. 7Als sie ihn wieder aufgerichtet hatten, fiel er Judit zu Füßen, warf sich vor ihr nieder und sagte: »Gesegnet seist du in allen Zelten Judas und unter allen °Völkern, die, wo immer sie deinen Namen hören, bestürzt sein werden. 8Berichte mir doch jetzt, was du in diesen Tagen getan hast.« Und Judit teilte ihm inmitten des Volkes alles mit, was sie seit dem Tag getan hatte, als sie auszog, bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie nun zu ihnen sprach. 9Als sie zu sprechen aufgehört hatte, jubelte das Volk mit lauter Stimme und vollführte ein Freudengeschrei in ihrer Stadt. 10Als Achior sah, was die °Gottheit Israels alles getan hatte, °wurde sein Vertrauen zu ihr stark. Er ließ das °Fleisch seiner Vorhaut beschneiden und wurde bis zum heutigen Tag in das Haus Israel aufgenommen.
11Als die Morgendämmerung heraufzog, hängten sie den Kopf des Holofernes außen an die Stadtmauer. Jeder Mann griff zu seinen Waffen, und sie marschierten in Einheiten zu den Aufstiegswegen in die Berge. 12Als die Assyrer sie sahen, schickten sie Meldungen an ihre Anführer. Diese aber gingen zu den Befehlshabern und den Kommandeuren der Tausendschaften und zu all ihren Oberhäuptern. 13Als sie zum Zelt des Holofernes kamen, sagten sie zum Verwalter seines gesamten Besitzes: »°Weck sofort unseren Herrn! Die °Sklaven haben es tatsächlich gewagt, zum Krieg gegen uns hinunterzuziehen, um endgültig vernichtet zu werden.« 14Da ging Bagoas hinein, machte sich am Vorhang des Zeltes geräuschvoll bemerkbar, denn er nahm an, dass er mit Judit schlafe. 15Als aber niemand darauf hörte, schlug er den Vorhang zurück und ging in den Schlafraum hinein. Da fand er ihn auf der Schwelle hingestreckt, tot, und sein Kopf war von ihm entfernt worden. 16Er schrie mit lauter Stimme unter Klagen, Seufzen und lautem Geschrei und zerriss seine Kleider. 17Er ging in das Zelt hinein, in dem Judit untergebracht war, und als er sie nicht fand, stürzte er zum Volk hinaus und schrie: 18»Die Sklaven haben uns außer Gefecht gesetzt! Eine einzige Frau des hebräischen Volkes hat Schande über das Haus des Königs Nebukadnezzar gebracht! Seht Holofernes – am Boden! Sein Kopf ist nicht mehr auf ihm!« 19Als die Oberhäupter der assyrischen Streitmacht diese Worte hörten, zerrissen sie ihre Untergewänder. Ihre °Seele war sehr bestützt. Ihre Klage und ihr lautes Geschrei tönten laut durch das Lager.