z.B.: Gen 18,16-33 oder Ps 84

Das Buch Hiob

Kapitel 29

1Und Hiob fuhr fort mit dem, was er zu sagen hatte, und sprach: 2»Wer gäbe es, dass ich wäre wie in längst vergangenen Monden,
wie in den Tagen, als die Gottheit mich behütete,
3als sie ihre Leuchte über meinem Haupt leuchten ließ
und ich in ihrem Licht durch das Dunkel ging!
4Wie ich war in den Tagen meines Herbstes,
als Gott noch mein Zelt beschirmte,
5die Gottheit, die Macht über die Macht hat, noch mit mir war,
als der Kreis der jungen Leute um mich war,
6meine Schritte sich in Sahne badeten
und der Fels mir Bäche von Öl hin schüttete.
7Wenn ich zum Tor herauskam, oben zur Stadt hin,
und auf dem Platz meinen festen Sitz einnahm,
8dann sahen mich die jungen Leute und zogen sich zurück,
die Alten standen auf und blieben stehen.
9Amtspersonen hielten sich mit Reden zurück
und legten die Hand an ihren Mund.
10Die Stimme der Edlen hielt sich zurück,
ihre Zungen klebten am Gaumen.
11Ja, hörte mich ein Ohr, so pries es mich glücklich,
sah mich ein Auge, so bezeugte es mir mein Glück.
12Denn ich rettete die °Armen aus ihrem Hilfeschrei,
die Waisen, die ohne Hilfe waren.
13Der Segen der Verschmachtenden kam über mich
und das °Herz der Witwen ließ ich jubeln.
14In Gerechtigkeit war ich gewandet und mich bekleidete
wie Mantel und Turban mein °Recht.
15Augen war ich den Blinden
und Füße den Lahmen wurde ich.
16Wie ein Vater war ich für die Armen
und die Rechtssache selbst einer Person, die ich nicht kannte, prüfte ich.
17Ich zerbrach die Kinnlade des Bösen
und aus seinen Zähnen holte ich die Beute.
18Und ich sagte mir: ›Mit meinem Neste werde ich sterben,
und wie der Phönix(460) werde ich meine Tage mehren.‹
19Meine Wurzel ist offen zum Wasser hin
und Tau übernachtet auf meinem Zweig.
20Meine °Würde ist immer wieder neu bei mir
und mein Bogen lässt in meiner Hand eines aufs andere folgen.
21Auf mich hörten und warteten sie
und bei meinem Rat schwiegen sie.
22Nach meinem °Wort wiederholten sie nichts mehr
und meine Rede träufelte auf sie nieder.
23Sie warteten auf mich wie auf den Regen
und sperrten den Mund auf wie für den Frühlingsregen.
24Ich lachte ihnen aufmunternd zu, wenn sie ohne Vertrauen waren,
das Leuchten meines Antlitzes ließen sie nicht finster werden.
25Ich wählte ihren Weg und saß obenan,
wohnte wie ein König inmitten des Kreises,
wie wenn einer Trauernde tröstet.