z.B.: Gen 18,16-33 oder Ps 84

Das Buch Daniel

Kapitel 6

1Darius(↑493), der Meder, erhielt die Königsherrschaft im Alter von 62 Jahren. 2Darius hielt es für gut, die Regierungsgeschäfte im ganzen Königreich 120 Satrapen zu übertragen, 3und über ihnen drei Oberbeamten, von denen einer Daniel war, damit die Satrapen ihnen gegenüber rechenschaftspflichtig seien und der König keinen Schaden erleide. 4Da zeichnete sich Daniel unter den Oberbeamten und Satrapen aus, weil ein außerordentlicher °Geist in ihm war. Der König wollte ihm die Regierungsgeschäfte zur Gänze übergeben.
5Die Oberbeamten und die Satrapen suchten einen politischen Angriffspunkt gegen Daniel zu finden. Sie konnten keinerlei Angriffspunkt und Fehler finden. Er war zuverlässig. Unregelmäßiges und Fehler waren an ihm nicht zu finden. 6Da sagten diese Männer: »Wir finden keinen Angriffspunkt gegen Daniel, falls wir ihn nicht in der Weisung seiner Gottheit finden.« 7Da gingen die Oberbeamten und die Satrapen versammelt zum König und sagten ihm: »König Darius, auf ewig sollst du leben! 8Alle Oberbeamten des Königreichs, Vorsteher und Satrapen, Räte und Statthalter haben sich im Rat darauf verständigt, ein königliches Statut zu erlassen und ein Verbot in Kraft zu setzen: Jede Person, die innerhalb einer Frist von 30 Tagen eine Bitte an irgendeine Gottheit oder einen Menschen richtet – außer an dich, König –, soll in eine Löwengrube geworfen werden. 9Nun, König, setze das Verbot in Kraft und veröffentliche ein entsprechendes Schreiben, das nicht verändert werden darf – so ist es medisches und persisches Gesetz. Eine Ausnahme gibt es nicht.« 10König Darius folgte alldem und veröffentlichte ein Verbotsschreiben.
11Als Daniel von der Veröffentlichung des Schreibens erfahren hatte, ging er in sein Haus. Die Fenster im Obergeschoss waren in Richtung Jerusalem geöffnet. Dreimal täglich sagte er auf den Knien vor seiner Gottheit Segenssprüche, Bitte und Dank, so wie er es auch bislang getan hatte. 12Da kamen jene Männer zusammen und fanden Daniel betend und bittend vor seiner Gottheit. 13Sie traten an den König heran und redeten vor ihm über das Verbot des Königs: »Hast du nicht ein Verbot erlassen: Jede Person, die innerhalb einer Frist von 30 Tagen eine Bitte an irgendeine Gottheit oder einen Menschen richtet – außer an dich, König –, soll in eine Löwengrube geworfen werden!?« Der König antwortete und sagte: »Die Sache steht fest – so ist es medisches und persisches Gesetz. Eine Ausnahme gibt es nicht.« 14Da ergriffen sie das Wort und sagten vor dem König: »Der Daniel von den aus Juda Weggeführten hat dich, König, und das Verbot, das du veröffentlicht hast, ignoriert und betet dreimal täglich sein Gebet.« 15Als der König diese Sache hörte, wurde ihm schlecht, und er fasste den Entschluss, Daniel zu retten. Bis zum Sonnenuntergang war er bemüht, ihn freizubekommen. 16Da gingen die Männer versammelt zum König und sagten ihm: »Sieh ein, König, dass es medisches und persisches Gesetz ist, dass alle Verbote und Erlasse, die der König aufrichtet, nicht verändert werden können!« 17Da befahl der König, Daniel zu holen und in die Löwengrube zu werfen. Der König ergriff das Wort und sagte zu Daniel: »Deine Gottheit, die du ununterbrochen verehrst, rette dich!« 18Ein Stein wurde gebracht und auf die Grubenöffnung gelegt. Der König siegelte ihn mit seinem Siegel und mit dem Siegel seiner Großen, damit Daniels Lage nicht verändert werden konnte.
19Dann ging der König in seinen Palast und verbrachte die Nacht, ohne etwas zu essen. Mätressen ließ er keine zu sich kommen, und sein Schlaf floh ihn. 20Dann, in der Morgenröte, stand der König auf, bei Tagesanbruch, und eilte zur Löwengrube. 21Als er sich der Grube näherte, rief er Daniel, Trauer in der Stimme. Er begann zu reden und sagte zu Daniel: »Daniel, °Sklave der lebendigen Gottheit: Deine Gottheit, die du unausgesetzt verehrst, konnte sie dich vor den Löwen retten?« 22Da sagte Daniel zum König: »König, auf ewig sollst du leben! 23Meine Gottheit sandte ihren °Boten und verschloss den Rachen der Löwen. Sie ließen mich unverletzt, weil vor ihr meine Unschuld erwiesen ist. Auch vor dir, König, habe ich nichts Böses getan.« 24Da ging es dem König wieder sehr gut. Er befahl, Daniel aus der Grube herauszuholen. Daniel wurde aus der Grube herausgeholt. Keine Verletzung war an ihm zu finden: Er hatte auf seine Gottheit vertraut. 25Da befahl der König, jene Männer zu holen, die Daniel denunziert hatten. Man warf sie in die Löwengrube, auch ihre Kinder und ihre Frauen. Noch bevor sie den Boden der Grube erreicht hatten, ereilten die Löwen sie und zermalmten ihre Knochen.