z.B.: Gen 18,16-33 oder Ps 84

Das Buch der Weisheit

Kapitel 8

1Sie spannt sich kraftvoll aus von einem Ende zum anderen / und regiert das All voll Güte.
2Ich habe sie geliebt und gesucht von meiner Jugend an, / ich wollte sie als meine Braut nach Hause führen / und habe ihre Schönheit lieb gewonnen. / 3Sie kann sich vornehmer Herkunft °rühmen, da sie mit der Gottheit zusammenlebt; die Allmacht hat sie lieb gewonnen. / 4Sie ist in das Wissen der Gottheit eingeweiht / und wählt unter ihren Werken aus. / 5Ist Reichtum im Leben begehrenswert – / was ist reicher als die Weisheit, die alles wirkt? / 6Ist es Klugheit, die wirkt – / wer auf der ganzen Welt wirkt kunstvoller als sie? / 7Und liebt jemand °Gerechtigkeit – / sie ist es, die alle Tugenden erarbeitet: / Maßhalten und Klugheit lehrt sie, / Gerechtigkeit und Tapferkeit; / Nützlicheres gibt es für die Menschen im Leben nicht. / 8Begehrt aber jemand reiche Erfahrung – / sie kennt das Vergangene und errät das Kommende, / sie versteht sich auf gewandte °Reden und löst Rätsel, / Zeichen und Wunder kennt sie im Voraus / und auch, was zu einem bestimmten Zeitpunkt eintreten oder aber sich erst noch langsam entwickeln wird. / 9Ich beschloss also, sie zu mir nach Hause zu führen, um mit ihr zusammenzuleben, weil ich wusste, dass sie mir zum Guten raten und mich bei Sorgen und Trauer ermutigen würde. / 10Durch sie werde ich °Ansehen bei den Leuten haben / und Achtung bei den Älteren trotz meiner Jugend. / 11Bei der Rechtsprechung werde ich als scharfsinnig gelten / und bei den Mächtigen Bewunderung finden. / 12Schweige ich, so warten sie auf mich, / gebe ich etwas von mir, merken sie auf, / und rede ich länger, werden sie zurückhaltend die Hand auf ihren Mund legen. / 13Ich werde durch die Weisheit Unsterblichkeit haben / und bei denen nach mir °ewiges Gedenken hinterlassen. / 14Ich werde °Völker regieren, und °Nationen werden mir untergeordnet sein. / 15Schreckliche Tyrannen werden mich °fürchten, wenn sie das hören. / In der Politik werde ich mich als fähig erweisen und im Krieg als tapfer. / 16Wenn ich mein Haus betrete, werde ich bei ihr ausruhen. / Mit ihr zusammen zu sein, bringt keine Bitterkeit, / und mit ihr zu leben keinen Schmerz, / sondern Fröhlichkeit und Freude.
17Als ich das bei mir gedacht und sorgfältig in meinem °Herzen überlegt hatte, dass nämlich in der Verwandtschaft mit der Weisheit Unsterblichkeit liegt / 18und in der Freundschaft mit ihr echte Zufriedenheit, / dass durch die Arbeit ihrer Hände unerschöpflicher Reichtum kommt / und Klugheit durch den ständigen Umgang mit ihr, / dass im °Gespräch °mit ihr ein guter Ruf gründet / – da ging ich umher und suchte sie, um sie mit zu mir zu nehmen. / 19Ich war ein wohlgestaltetes Kind mit guter °geistiger Anlage, / 20oder vielmehr: Da ich gut veranlagt war, begann ich mein Leben in einem unverdorbenen °Leib. / 21Als ich dann aber erkannte, dass ich die Weisheit nicht anders erlangen könnte, als wenn °Gott sie mir gäbe / – und allein das schon war Klugheit, zu wissen, wessen °Gabe sie ist – / da wandte ich mich an Gott, bat und sprach aus meinem ganzen Herzen: